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Immer wieder werden wir in der Kleintierarztpraxis mit Wildtieren konfrontiert, die von aufmerksamen Personen gefunden wurden. Ein verletzter Vogel, ein geschwächter Igel oder ein struppiger Feldhase, der sich ungewöhnlich verhält: Der Wunsch zu helfen ist verständlich. Doch gerade bei Wildtieren ist es wichtig, nicht vorschnell einzugreifen. Denn gut gemeinte Hilfe kann mehr schaden als nützen.

Erst beobachten, dann handeln

Nicht jedes Tier, das allein unterwegs ist, braucht menschliche Hilfe. Besonders bei Jungtieren lohnt es sich, zunächst aus sicherer Distanz zu beobachten. Ein Jungvogel am Boden kann beispielsweise weiterhin von seinen Eltern versorgt werden. Auch Rehkitze liegen oft stundenlang allein im Gras, während die Mutter in der Nähe bleibt. Wer sich ihnen nähert oder sie berührt, kann unnötigen Stress oder späteres Verstossen durch das Muttertier verursachen.

Auch ein Igel, der tagsüber unterwegs ist, ist nicht automatisch krank. Entscheidend ist, ob er einen geschwächten Eindruck macht, verletzt ist oder sich auffällig verhält.

Wann braucht ein Wildtier Hilfe?

Anders sieht es aus, wenn ein Tier offensichtlich verletzt, stark geschwächt, apathisch ist oder sich nicht mehr selbständig fortbewegen kann. Auch verwaiste Jungtiere, die noch auf die Versorgung durch ihre Elterntiere angewiesen sind, können Hilfe benötigen.

Das Wichtigste ist zunächst, Ruhe zu bewahren und Abstand zu halten. Wildtiere reagieren empfindlich auf Stress und können aus Angst unberechenbar reagieren. Versuchen Sie deshalb nicht, ein grösseres Wildtier selbst einzufangen.

Muss ein kleines Wildtier aufgrund einer unmittelbaren Gefahr gesichert werden, sollte dies nur unter Anweisung einer Fachperson und möglichst stressarm geschehen.

Wer hilft im Notfall?

In der Schweiz gelten für den Umgang mit Wildtieren besondere gesetzliche Bestimmungen. Das eigenmächtige Einfangen, Transportieren oder Halten kann je nach Tierart und Situation unzulässig sein. Bei verletzten grösseren Wildtieren, beispielsweise Rehen, Füchsen oder Hasen, sollte deshalb die zuständige Wildhut beziehungsweise Jagdaufsicht kontaktiert werden. Bei einem Wildunfall oder einer akuten Gefahr im Strassenverkehr ist die Polizei unter 117 die richtige Anlaufstelle.

Zusätzlich ist der Tierrettungsdienst rund um die Uhr unter 0800 211 222 erreichbar. Er berät bei Notfällen und kann das weitere Vorgehen koordinieren. Welche Wildtiere betreut werden können, hängt vom Zuständigkeitsgebiet ab. Für bestimmte Arten, beispielsweise Igel, Eichhörnchen oder Greifenvögel, gibt es zudem spezialisierte Pflegestellen.

Unser Tipp aus der Praxis

Hinschauen, Abstand halten und im Zweifelsfall nachfragen: Gute Hilfe bedeutet bei Wildtieren nicht immer, ein Tier selbst mitzunehmen. Oft ist es die beste Unterstützung, die richtige Fachstelle zu informieren und das Tier möglichst wenig unnötig zu belasten. 

So können wir gemeinsam dazu beitragen, dass verletzte Wildtiere die Hilfe erhalten, die sie wirklich brauchen – und gesunde Tiere dortbleiben können, wo sie hingehören.